Alpine Gothic
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Eröffnung: Fr, 16.12.2022 | 20 Uhr
Kabinett
17.12.2022 - 05.02.2023

Alpine Gothic. Förderpreisträger 2021

Die künstlerische Praxis des 2008 gegründeten Künstlerkollektivs ALPINE GOTHIC zeichnet sich durch ihren partizipativen und sozio-kulturellen Ansatz aus, der zeitgenössische Kunst ohne Berührungsängste im regionalen Umfeld zwischen Landwirtschaft und Traditionskultur diskutiert und greifbar macht. Mit ihren Aktionen analysieren die Salzburger Künstler_innen Christina Breitfuss und Erik Hable sowie der Tiroler Künstler Wolfgang Wirth den traditionellen Heimatbegriff mit seiner volks-kulturellen Gegenwart und übersetzen ihn in ihre künstlerische Praxis. Die Projekte des Kollektivs sind inhaltlich vielschichtig und zugleich sinnlich, humorvoll und ästhetisch nahbar. Alpine Gothic suchen die Nähe zur regionalen Bevölkerung, die sie niederschwellig einbinden, ohne voyeuristische Klischees zu bemühen. Im Vordergrund steht die subtile Dekonstruktion der über Jahre gewachsenen Heimatidylle, die sich längst von ihrer Ursprungsbedeutung entfremdet hat. Über die Wertschätzung des Regionalen erzeugen ihre Kunstprojekte nicht nur ein Klima des stetigen Dialogs und der Kunstvermittlung, sondern auch einen Transfer-Prozess des kommerzialisierten Klischeebildes eines alpenländischen Heimatbegriffs zurück an seinen originären Ort. Die ihrem Werkverständnis immanente ehrliche, ernsthafte und direkte Auseinandersetzung mit ihren nicht dem Bereich der zeitgenössischen bildenden Kunst entstammenden Projektpartner_innen wie auch mit der Öffentlichkeit, die ihren Arbeiten auch außerhalb des Ausstellungsraums begegnet, erleichtert den Zugang zu zeitgenössischer Kunst und überwindet gekonnt die Hemmschwelle zur Hochkultur.

 

Besonders positiv ist der Jury in diesem Zusammenhang das eingereichte Projekt Alpenglühen am Wiesenrand aufgefallen, welches Alpine Gothic von 2018 bis 2019 in Kooperation mit Einzelpersonen im Flachgau und dem Maschinenring St. Johann realisierten. Hierzu entstanden mehrere hochglanzlackierte, rosé-metallicfarbene Traktor-Felgen, deren Farbauswahl sich an den Farbton des Alpenglühens annähert. Die Intention der Künstlergruppe war laut Erik Hable, „landschaftliche Idylle und Sonnenuntergangs-Romantik in den Arbeitsalltag der Bauern zurückzubringen.“ Durch das Neu-Lackieren von landwirtschaftlichen Gebrauchsgegenständen wird eine romantische Vorstellung vom Alpenglühen symbolisch in den Arbeitsalltag der Landwirtschaft zurückgeführt und zum Blickfang aufgewertet. Der Maschinenring St. Johann hat nicht nur dieses Projekt unterstützt und ausgestellt, sondern auch eine der entstandenen Felgen angekauft, die heute den Eingangsbereich der Verwaltungsräume flankiert. Das Projekt wurde im Rahmen des Förderprogramms „Wahre Landschaft“ des Landes Salzburg gefördert und wird nochmals durch den Förderpreis des Salzburger Kunstvereins ausgezeichnet, um eine verstärkt überregionale Wahrnehmung der Künstlergruppe positiv zu unterstützen. Besonders freut die Jury auch, dass die diesjährigen Preisträger_innen nicht nur eine konstante 12-jährige gemeinsame Arbeitspraxis parallel zum jeweils eigenen künstlerischen Schaffen teilen, aus der heraus Projekte entstehen, die mehr sind als die Summe der drei Einzelpositionen, sondern auch ihren Arbeitsmittelpunkt in Salzburg und Umgebung haben.

 

Jurystatement

Lena Nievers, Gerold Tusch, Karin Pernegger

 

Alpine Gothic, gegründet 2009

Christina Breitfuß, geboren in Schwarzach (1971), lebt und arbeitet in Lochen am See.

Erik Hable, geboren in Linz (1968), lebt und arbeitet in Salzburg.

Wolfgang Wirth, geboren in Innsbruck (1966), lebt und arbeitet in Wien.

 

Das Künstler_innenkollektiv Alpine Gothic wurde 2009 gegründet und besteht aus Christina Breitfuß, Erik Hable und Wolfgang Wirth. Alle drei studierten an der Universität Mozarteum Salzburg. Die prozesshafte und oft partizipative Arbeit von Alpine Gothic findet zumeist im ländlichen Kontext und in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung statt. Dieses Agieren an der Peripherie wird in Form von Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in das zeitgenössische Kunstgeschehen transferiert. Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen erfolgten unter anderem in Rotterdam, Warschau, Frankfurt, Stuttgart, Wien, Innsbruck und Salzburg. Projekte vor Ort wurden u.a. in Fuschl, Obertrum, St. Martin bei Lofer, Serfaus, Radstadt, Rotterdam, Paliano/Italien und Wien realisiert.