Stefan Kreiger. Hero Quest
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Eröffnung: Fr, 04.02.2022 | 15 Uhr
Kabinett
05.02.2022 - 13.03.2022

Stefan Kreiger. Hero Quest

Der Förderpreisträger 2020 zeigt neue Arbeiten.

 

Stefan Kreigers Werk zeichnet sich durch Können, Witz und Kritik aus. Seine Arbeiten sind buchstäblich ein vielschichtiger Fundus. Ob in Zeichnung, Druckgrafik, Malerei oder Installation – es lässt sich ein lustvolles, collageartiges Überlappen von Sujets und Welten feststellen, das insbesondere in den Gemälden zu teils jahrelangen exzessiven Bildübermalungen geführt hat. Verwerfen, Finden, Ergänzen, ein nicht enden wollender Prozess des Homo ludens. Die Arbeiten, meist figürlich und narrativ, bieten Handlungsstränge, beharren aber nicht darauf. (Gabe R. Ash)

 

Stefan Kreiger (*1981, Salzburg) lebt und arbeitet in Salzburg.

www.stefan-kreiger.com.

Allzu schnell landet man vor Stefan Kreigers bildmächtigen Arbeiten bei den Motiven und Themen. Dabei übersieht man leicht, wie sehr der Künstler mit Pinsel und Farbe arbeitet, ohne in platter Virtuosität zu glänzen. Die Bilder zeigen einen intensiven Prozess leidenschaftlicher Malerei. Kreiger prüft, was jenseits der Darstellung mit Farbe und Pinsel auf einer Leinwand möglich ist. Manchmal sind die malerischen Spuren Raum, dann Volumen, dann wieder abstraktes Bildelement oder einfach Pinselstrich. Der Künstler arbeitet scheinbar mühelos auf verschiedenen Ebenen, doch man sieht, dass er sich nicht mit schnellen Lösungen abfinden will – weder in der Abbildung noch in der Wahl seiner autonom verwendeten Mittel. Die narrativen Elemente und Figurationen bezieht er aus Science-Fiction, Superhelden- und Kriegs-Comics, aus Pornografie und Fetischismus, Filmen, Fantasy- und Computerspielen, aber ebenso aus Geschichte und Kunstgeschichte. Zu sehen sind Gesten und Ausdruck von Macht und Gewalt, Geschmacklosigkeit und Theatralik, sexualisierte Inszenierungen und unheimliche Zwischenwesen. Oft sind die Szenarien so düster, dass die seltsamen, surrealen Brechungen erst beim zweiten Blick deutlich werden. Immer wieder begegnen wir in den Bilderzählungen Protagonisten, die zwischen magnetischer Präsenz und klischeehafter Figur changieren. Sie scheinen bekannt, anderen Medien entsprungen, losgelöst und vom Maler in die neuen Narrative seiner Bilder gestellt.

 

Wer Kreigers künstlerische Entwicklung beobachtet ist vielleicht überrascht, wenn in Bildern Fragmente aus älteren Arbeiten auftauchen – er übermalt seine Leinwände wieder und wieder. Es geht um das Tun, der finale Werkzustand ist nicht das eigentliche Ziel. Der Künstler hinterfragt so die vermeintlich endgültige Form eines Bildes. Das Leben ist schließlich nur lebendig in fortwährender Veränderung, so wie seine Bilder.

 

Was passiert, wenn wir ein in früherem Zustand bereits bekanntes Werk wiedererkennen? Was passiert, wenn aus opulenten figurativen Tableaus plötzlich malerisch beruhigte Bilder werden, in denen oft kopflose Wesen solitär in den Dialog mit Farbe und grafischen Kürzeln treten? Mag sein, dass Manche_r aufatmet, mag sein, dass man den Verlust der Vorgängerversion bedauert, jedenfalls spürt man, wie Stefan Kreiger mit Erfahrung und Intuition weiter malt.

 

Manchmal wirkt seine Entwicklung wie eine Befreiung, aber seine Bilder sind immer noch unausweichlich, er selbst steht als ruhiger Urheber dahinter. Ernsthaft und nachvollziehbar zweifelt er am Abbild ebenso wie am endgültigen Bild und macht so Raum für seine neuen, sinnlichen und teils ungegenständlichen Bildwelten. Kreiger macht Platz für Malerei. Das bedeutet, dass er mit seinen Übermalungen die Leinwand nicht mehr ausschließlich als gegenständlich definierten Bildraum versteht. Dabei praktiziert er ein neu entdecktes Weniger ist Mehr, gewinnt nach der davor exzessiv zelebrierten Lust an Opulenz und Horror Vacui mit jeder Malschicht zusehends noch mehr Kontrolle über sein Bildgeschehen und das, was ihm für ein Bild genügt – Bild-Schichten erzählen Bild-Geschichten.

 

Sinnlichkeit in Kreigers Malerei ist mehr als der Schimmer auf männlicher und weiblicher Haut bei Rubens, mehr als das Rascheln von Stoffen und Spitze bei Velasquez, oder die verführerische weibliche Körperlichkeit bei Boucher und die männliche Kraft bei Caravaggio. Es sind aufgeladene Figuren, vorgefertigte Bilder, die sich plötzlich in Malerei auflösen und an unser Schauen selbst – direkt an den Seh-Sinn appellieren und ihm etwas anbieten, was nicht nur interessant zu sehen ist, sondern von doppelter Obsession und Leidenschaft erzählt: Für die Malerei und ihre Motive.

 

Der Künstler will auch nicht alles in seinen Bildern mit griffigen, oder gar intellektualisierenden Zitaten aus der Kunstphilosophie erklären. Er weiß, was er tut, aber das ist kein vorgefertigtes Konzept. Was er macht entsteht aus Malfreude und Lust am Wesen des Bildhaften. Er ist eine Malerpersönlichkeit, die sich kein Thema sucht, sondern immer schon eines hatte. Er malt, was ihn interessiert und schafft damit ein malerisches Universum, das auch für andere neue Türen öffnet.

 

Nicht jeder will hinein gehen in die reiche Bildwelt unkonventionellen Angebots, manchen genügt der Blick durch den Türspalt, schließlich öffnen sich hier die Abgründe des Menschseins: Macht, Sex, Begehren, das, was man Perversion nennt, Identität, Angst, Krieg, Gewalt. Und doch zeigt er diese Abgründe so malerisch und faszinierend nahbar, erschafft so virtuos Plastizität und Raum ebenso wie pure abstrakte Struktur und seine ganz persönliche Farbpalette.

 

Es ist ein lustvolles und ernsthaftes Spiel mit allem, was die Malerei zu bieten hat: Farbe, Duktus, Linie, Form, Fläche – die Elemente werden zum konkreten Motiv, das Motiv löst sich in die Bildelemente auf. Dabei verfolgt der Künstler seine Obsession für Malerei ebenso wie für seine Motive mit Beharrlichkeit und ruhiger Kontinuität. Kreiger ist ein Maler in vollem Bewusstsein um die Möglichkeiten der Malerei: Technisch/formal, aber auch inhaltlich/erzählerisch. Zudem versteht er sich und sein Medium auch ganz in der logischen Fortschreibung der malerischen Traditionen. Stefan Kreiger ist ein Maler von Anfang an, konsequent und differenziert. (Text von Gerold Tusch)